Yogastress lass nach! Oder wie mein Gehirn mich immer wieder austrickst…

Sozialstatus Vergleiche können einem wirklich die Feiertage verderben – wenn wir unsere natürlichen Impulse nicht verstehen und sie umleiten können.
Die meisten meiner Yogakurse sind kurz vor Weihnachten voller als sonst. Ich kann förmlichen spüren wie viele einen Rückzugsort suchen wo sie das geschäftige Gewusel, die ständigen Vergleiche, die Vorbereitungen, die vielen Anforderung der Feiertage zumindest für einen Moment nicht erreichen können. Für viele bedeutet es mit ihren Familien, Verwandten und Freunden zusammenzukommen oder festzustellen, dass man diese Weihnachten vielleicht wieder alleine verbringt und vermeidlich „irgendwie anders als Andere“ ist. Die Feiertage bringen die Versuchung mit sich, das eigene Leben mit dem Leben anderer zu vergleichen. Diese sozialen Vergleiche triggern unser Stresshormon Cortisol, das u.a. dafür zuständig ist uns unsere Stimmung ruinieren, auch wenn wir oftmals das Leben der anderen gar nicht leben wollen.
Es ist schon merkwürdig, dass uns unser Gehirn uns diese unfreundlichen Dolchstöße versetzt und trotzdem vergleichen wir uns wieder und wieder. Warum macht unser Gehirn das eigentlich? Und gibt es nicht eine Yogi-Strategie wie wir das verändern können?

Dafür müssen wir uns unser Gehirn etwas genauer betrachten. Sich sozial oder gesellschaftlich zu Vergleichen ist ein Ur-Impuls. Ein Tier vergleicht sich z.B. ständig mit seinen Artgenossen. Jedes Mal, wenn es um Nahrung oder Paarung besteht nämlich das potentielle Risiko gebissen und getreten zu werden, wenn es sich einem stärkeren oder größeren Artgenossen gegenübersieht. Also muss es sich vergleichen um sein potentielles Risiko einschätzen zu können.

Wenn sich ein Tier in einer schwächeren Position sieht, wird Cortisol ausgeschüttet und somit das Gefühl der Bedrohung aktiviert, was es dazu bewegt sich zurück zu ziehen. Gehirne die so funktionieren haben, wenn man Geschichte verschiedenster Säugetiere und Lebewesen verfolgt, überlebt und sich reproduziert und genau so sind wir auch zu unserem Gehirn gekommen.

Sozialer Vergleich ist für unser limbisches System (die Funktionseinheit unseres Gehirns die für Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten verantwortlich ist) wichtiger als Nahrung oder Sex, denn der Verlust einer Mahlzeit oder eines Schäferstündchens ist besser zu verkraften als den Angriff eines stärkeren Gegenübers.

Diese „uralten Gehirnstrukturen“ sind uns weitgehenst erhalten geblieben und dieser Teil unseres Gehirnes fühlt sich bedroht selbst, wenn wir intellektuell gesehen, die besten Absichten haben. Und so kann es sein, dass du dich vielleicht auf einmal auf einer Feier für eine andere Person wiederfindest, obwohl du die Person oder solche Art von Events gar nicht magst. Trotzdem bist du da! Oder wir finden uns in mitten einer Beschenkung wie dem Heiligen Abend wieder, obwohl wir mit dem aufgeregten Durcheinander eigentlich gar nichts anfangen können. Vielleicht ertappst du dich aber auch bei dem Gedanken, dass alle (außer dir) ihre Liebsten um sich haben die jeden Schritt beglückwünschen und nichts im Gegenzug verlangen, auch wenn solche Menschen und Leben ziemlich unrealistisch sind.

Solche Gedanken bzw. sozialen Vergleiche werden dir, wenn du dir dieser Strukturen nicht bewusst bist, mit großer Wahrscheinlichkeit die Feiertage vermiesen. Zum Glück gibt es ein paar Yogi-Strategien, wie du diese Ur-Impulse ein wenig austricksen kannst.

  1. Die uralten Instinkte akzeptieren

Mach dich selbst nicht schlecht nur weil dein Gehirn so funktioniert wie es nun mal vor mehreren Millionen Jahren angelegt wurde. Versuche vielmehr zu akzeptieren, dass wir in die Gruppe der „höheren“ Säugetiere fallen, von Primaten abstammen und gelernt haben, in Gruppen zu leben um unseren Nachwuchs vor Räubern zu schützen sowie die Fähigkeit entwickelt haben uns sozial zu vergleichen, was dazu dient unser Überleben zu sichern. Sich sozial zu vergleichen ist Teil unseres Seins.

  1. Verstehe wie Cortisol funktioniert

Wir Menschen werden mit Millionen von Neuronen geboren, die wenigsten von ihnen sind aber miteinander verbunden. Unser Gehirn verknüpft diese Neuronen im Laufe der Zeit in dem es mit der Außenwelt interagiert. Jedes Mal, wenn wir uns z.B. verletzen oder beobachten wie sich jemand anders verletzt, entstehen Neuronen Verbindungen die beim nächsten Mal das Cortisol schneller ausschütten. Das Gehirn ist dafür gemacht um uns davor zu schützen einen heißen Ofen zweimal anzufassen. Allerdings übertreibt es gerne auch ein bisschen und sieht überall eine Gefahr, wenn wir es denn zulassen.

  1. Neue neuronale Wege und Strukturen anlegen

Die Elektrizität in unserem Gehirn fließt wie Wasser in einem Sturm und sucht sich immer den Weg mit dem geringsten Widerstand. Das heißt die elektrischen Impulse in unserem Gehirn fließen solange in den alten Wegen und Strukturen bis wir etwas daran ändern bzw. neue Wege anlegen. Mit diesem Satz kannst du z.B. anfangen, wenn du alte Strukturen verändert möchtest:

„Ich bereichere mein Leben mit Dingen die mir wichtig sind und ich brauche keine Bewertung oder Genehmigung dafür!“

Wenn du diesen Gedanken für 45 Tage widerholst werden sich neue Neuronen verbinden und dein neues Jahr wird ganz anders beginnen, weil die elektrischen Impulse in deinem Gehirn nun einen neuen Weg haben.

Vielleicht denkst du, das hört sich wie ein „Scherz“ an. Oder warum soll ich über etwas glücklich sein das ich habe, wenn das Leben trotzdem so unfair zu mir ist? Unsere Denkmuster entwickeln sich in der frühen Jugend in der unser Gehirn noch voll von Myelin ist. Diese dicke und zähe Substanz ummantelt die Neuronen und macht sie zu supersensitiven elektrischen Leitern (Supraleitern). Diese Superhighways, die wie gesagt bereits in unser Jungend angelegt werden, leiten sämtliche elektrischen Impulse ganz mühelos auf den diesen Superhighways weiter.

Praktisch alles, was wir mit diesen Myelinumantelten Neuronen wahrnehmen, fühlt sich richtig an obwohl wir intellektuell wissen, dass etwas falsch ist. Außerdem fühlen wir uns sicher, wenn wir das alte Netzwerk nutzen, denn die elektrischen Impulse fließen mühelos auch wenn die getroffene Auswahl wenig Sicherheit bietet. Neue Wege und Strukturen im Dschungel unserer Milliarden von Neuronen anzulegen braucht Übung. Das Gute ist, das wir von Geburt an dazu geschaffen sind das anzugehen! Wir haben Milliarden von extra Neuronen, die nur darauf warten neu „verdrahtet zu werden“.

Wenn deine Feiertage und dein Weihnachtsfest in diesem Jahr vielleicht Veränderung brauchen, könnte die Anlage eines neuen“Straßenplans“ in deinen Gehirnstrukturen ein erster großer Schritt sein?

Wenn du jetzt mehr darüber wissen möchtest, hier habe ich ein paar nützliche Buchtipps zusammengestellt.Was möchtest Du in nächster Zeit verändern? Schreib mir!

„Denken wie ein Buddha“ von Rick Hanson

„Das weise Herz“ von Jack Kornfield

„Wer bin ich ohne diese Gedanken“ von Byron Katie

Ich wünsche dir ein wunderbare Weihnachtszeit!

Alles Liebe

Jessy_Sign_transparent

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