Was genau heißt eigentlich “Alignement” in der Yoga Praxis?

Stell Dir vor du knöpfst dein Hemd zu und als du am letzten Knopf angekommen bist, stellst du fest das kein Knopfloch mehr übrig ist. Du betrachtest dich im Spiegel uns siehst, dass das Hemd schief sitzt und die Knöpfe von Anfang an nicht mit den Knopflöchern übereinstimmen. Wahrscheinlich würdest du mit einem so schief geknöpften Hemd nicht in die Öffentlichkeit gehen und das Hemd nochmal neu zuknöpfen oder?

Warum ist das eigentlich wichtig? Wenn wir auf unsere Yogamatte steigen könnte es so einige gute Gründe geben den Körper auf gewissen „Schiefstände“ zu untersuchen und unser „Alignement“ –  die Ausrichtung – zu prüfen. Zum einen kann es uns davor bewahren sich zu verletzen und zum anderen schleichen sich manchmal „schlechte Angewohnheit“ in unsere Yogapraxis. Aber es gibt noch einen Grund. Wenn unser Körper oder unsere Energien unzureichend ausgerichtet sind, zeigt sich das auch „Off The Mat“ also in unserem Alltag. Wir spüren wie wir mit unsere Umwelt umgehen und die Umwelt mit uns. Was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass es leichter ist als du denkst, sich physisch und energetisch gut auszurichten?

Zum ersten Mal habe Trikonasana (Dreiecks Position) ausprobiert als ich ungefähr 20 Jahre alt war. An den Nachmittagen an denen ich keine Eisschnelllauf Training hatte, fuhr ich schnell nach Hause um unsere Möbel aus dem Weg zu räumen und sicher zu gehen dass ich genügend Platz hatte, um anschließend meine erste Yoga DVD einzulegen.

Wie in der DVD angeleitet, sollte ich einen weiten Stand einnehmen, meinen Vorderfuß aus und meinen Hinterfuß ein drehen und die Arme zu einem „T“ ausstrecken. Dann, als die im Gymnastik-Anzug strahlende Lehrerin auf dem Bildschirm die Anweisung gab „die Hüfte zu beugen“ und den linken Arm in Richtung Himmel zu strecken, war ich dabei mich nach vorne zwischen meine Beine zu beugen (denke an Prasarita Padottanasana, die Vorwärtsbeuge in einer Grätsche, aber die Füße und Beine wie für Trikonasana aufgestellt und wanderte mit meiner Hand zu meinen rechten Bein um diese auf meinen Schienbein zu positionieren und streckte meinen linken Arm in die Luft. Als ich wieder auf den Bildschirm kuckte war ich ungefähr in der Position die die Lehrerin eingenommen hatte und ging davon aus, dass sie genauso wie ich dort hingekommen war.

Was ich damit sagen will ist, ich konnte nicht wirklich auf den Bildschirm sehen und dabei meine Hüfte beugen (nicht ohne mir den Nacken zu verrenken) und so wusste ich auch nicht das ich mit zur Seite beugen sollte. Und zwar solange nicht, bis ich ungefähr ein Jahr später meinen ersten Unterricht bei June Kahn bekam die, als wir die Dreiecks Position einnehmen sollten, zu mir rüber kam und mich fragte was genau ich da eigentlich machen würde? Sie sagte beug dich zur Seite um in die Position zu kommen. Ahhh, zur Seite, dachte ich, das macht natürlich viel mehr Sinn oder? Das war einer meiner ersten Yoga „Aha-Momente“.  Obwohl June vielleicht in ihre Anweisung hätte etwas netter sein können, war ich ihr trotzdem für die Klärung sehr dankbar und ich war natürlich erstaunt darüber, was für einen großen Unterschied ein paar „lumpige“ Worte wie: „zur Seite“ ausmachen.

Natürlich, es gibt keine “one size fits all” Asana Instruktion. Was für den einen Yogi perfekt Sinn macht, räsoniert überhaupt nicht mit dem anderen. Eines Tages fing ich an, ein wenig mehr in eine Rückwärtsbeuge zu kommen, während ich in einer Krieger Position stand (Virabhadrasana II), als die Lehrerin an mich herantrat. Ich sah den Blick in ihrem Gesicht, der langsam zu meiner unteren Wirbelsäule wanderte. Ich konnte fühlen was da denn kommen würde und ich versuchte mein Bestes, das Steißbein „einzuziehen“ und meine Nierengegend wie ein Marshmallow aufzublasen. Stattdessen sagt sie einfach „zieh deinen unteren Rippenbogen nach unten“. Und wie ein kleines Wunder, gehorchten meine Rippen und mein unter Rücken entspannte sich augenblicklich. Dieser eine kleine und einfache Satz, korrigierte die Wurzel meiner „schiefe Ausrichtung“ instantan.  Die einfache Ansprache eines anatomischen Referenzpunktes, der es mir einfach machte eine Bewegung nachzuvollziehen.

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Heute, wenn ich selbst „Alignement“  oder Ausrichtungsanweisungen gebe, ist es mir immer wichtig zu wissen, WARUM ich etwas sage oder anweise. Das gilt vor allem, wenn man mit dem unterrichten anfängt. Ich weiß noch, dass ich am Anfang meiner Yogalehrerzeit vieles einfach „nachgeplappert“ habe was ich bei anderen Yogalehrer im Unterricht aufgeschnappt hatte, ohne wirklich zu wissen was es bedeutet und warum der Yogalehrer es gesagt hatte. Das heißt nicht, dass man als Yogalehrer alles weiß und wissen muss, aber ich bin immer offen dafür mir die Frage nach dem „Warum“ zu stellen. Viele Yogastudenten können Anweisungen auch erst nach Jahren umsetzen oder verstehen, weil der Körper einfach noch nicht bereit dazu ist. Das nenne ich die Intelligenz des Körpers.

Innere Kraft und äußerliches Alignement ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess und ist persönliches Wachsen. Alignement Anleitungen die schon tausend Mal gesagt wurden, kommen vielleicht erst nach vielen Jahren im Körper an und wir erleben unseren Körper dann ganz neu. Und genau diese wunderbaren Erlebnisse erfahren viele Yogastudenten (und ich selbst auch) und macht die Yogapraxis so einzigartig, interessant und kreativ. Warum? Weil uns neue Erfahrungen dazu bringen, uns aus unserer Komfortzone zu bewegen und uns einladen neue Wege mit unseren Körpern, Geist und unserer Umgebung zu finden und zu interagieren.

Ist dein Körper bereit für eine neue Erfahrung?  Im Mai ist es wieder soweit, wir kommen wieder nach Deutschland und freuen uns sehr auf Euch. Auf dem Yoga Workshop-Plan stehen München und Köln. Hier geht’s zu WANN und WO!

Alles Liebe

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